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Energie-Dilemma: China zwischen Dekarbonisierung und Industrie-Nachfrage


12.01.2021 - 15:32:32 Uhr
JK Capital Management

Hong Kong (www.aktiencheck.de) - Ende 2020 kam es in mehreren Provinzen Chinas zu Stromausfällen, so die Experten von JK Capital Management.

Laut den Experten von JK Capital Management Ltd., einem Unternehmen der La Française-Gruppe, sei dies ein strukturelles Problem. "Um seine Ziele für saubere Energie zu erreichen, muss China den schwierigen Spagat zwischen Energiesicherheit und Dekarbonisierung seiner Energieträger schaffen. Das sind zwei Ziele, die sich gegenseitig auszuschließen scheinen, da das Erreichen des einen Ziels wahrscheinlich zu einer Verzögerung des anderen führt", so Fabrice Jacob, CEO, und Aravindan Jegannathan, Senior Analyst, von JK Capital.

China strebe an, im Jahr 2060 kohlenstoffneutral zu sein. Das Land versuche, dieses Ziel zu erreichen, indem es seinen Energiemix durch eine Erhöhung des relativen Anteils von Wind- und Solarenergie sowie Erdgas an der Stromerzeugung verbessere.

"Die chinesische Regierung aktualisierte kürzlich ihre nationalen Klimaziele für 2030 und kündigte an, die CO2-Intensität des Bruttoinlandsprodukts um mehr als 65% gegenüber dem Niveau von 2005 zu senken. Das vorherige Ziel sah eine Reduzierung um 60 bis 65% bis 2030 vor", würden Jacob und Jegannathan sagen.

Der Anteil nicht-fossiler Energien - erneuerbare Energien und nuklear erzeugter Strom - solle 25% des Energiemix ausmachen, verglichen mit einem früheren Ziel von 20%. Der Fokus auf Wind- und Solarenergie bleibe mit einem erwarteten Anstieg von ca. 800 GW in den nächsten zehn Jahren bestehen. Die Nationally Determined Contribution (NDC)-Ziele für die installierte Kapazität der Wind- und Solarenergieerzeugung sähen eine Erhöhung von derzeit 415 GW bis Ende 2019 auf 1.200 GW bis Ende 2030 vor. Von 2015 bis 2020 sei der Anteil der nicht-fossilen Energie von 12% auf 16% gestiegen. Die Investmentexperten seien sich einig: "Das Land ist auf dem besten Weg, bis 2030 25% zu erreichen."


China habe mehrere Kohleminen in der Provinz Shanxi, dem Zentrum des chinesischen Kohlebergbaus, geschlossen, nachdem es in den ersten elf Monaten des Jahres 2020 zu einigen Unfällen gekommen sei. Die Kohleproduktion in der Inneren Mongolei, die ein Drittel der chinesischen Kohleproduktion umfasse, sei ebenfalls beeinträchtigt worden, da im Laufe des Jahres Korruptionsuntersuchungen eingeleitet worden seien.

Außerdem habe China aus politischen Gründen Repressalien gegen Australien verhängt. "Australische Importe, einschließlich Kohle, sind nun entweder verboten oder mit hohen Zöllen belegt, nachdem Australien unter anderem auf eine Untersuchung der Herkunft des Coronavirus gedrängt hatte", so die Investmentexperten.

Auch die breit angelegte Kampagne zur Reduzierung der Kohleverstromung, um den Emissionsverpflichtungen des Landes nachzukommen, habe die heimische Kohleversorgung unter Druck gesetzt. Laut JK Capital hätten diese Maßnahmen zu einer Verknappung des Kohleangebots und einem starken Anstieg der Kohlepreise geführt, wobei Kohle immer noch mehr als 55% der chinesischen Stromproduktion ausmache.

Ein weiteres wichtiges Thema sei die Preisgestaltung. Während die Kohlepreise vom Markt bestimmt würden, würden die Stromtarife unter staatlicher Kontrolle bleiben. "Die Stromerzeugungsunternehmen müssen die Energiepreise niedrig halten, was häufig zu Verlusten führt, wenn der Kohlepreis so hoch ist wie im Moment. Derzeit verlieren die Kraftwerke mehr Geld, je mehr Strom sie erzeugen. Das hält sie davon ab, Kohlevorräte anzulegen und mehr zu produzieren", so die Investmentexperten.

Eine Anpassung der Stromtarife an Angebot und Nachfrage würde eine effizientere Energienutzung gewährleisten. "Derzeit zahlen chinesische Haushalte pauschal subventionierte Tarife, die viel niedriger sind als die der industriellen Verbraucher, da das Preissystem nicht die wahren Kosten der Stromerzeugung widerspiegelt. Da Chinas Strombedarf weiter wächst, sollte die Preisgestaltung für Strom stärker marktgesteuert sein", seien sich Jacob und Jegannathan einig.

China sei eines der ersten Länder gewesen, das sich von den Lockdowns während der Pandemie erholt habe. So hätten die Exporte im November 2020 ein Rekordhoch erreicht und seien um 21,2% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Und obwohl die Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2020 stillgelegen habe, sei der Stromverbrauch in China in den ersten elf Monaten des Jahres um 2,5% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der derzeitige kalte Winter erhöhe die Energienachfrage zusätzlich.

Die aktuellen Ausfälle sollten zwar nicht als großes Problem betrachtet werden, würden aber als Warnsignal für China dienen. "Das Land muss seine Energiepolitik hinsichtlich der Erreichung der Dekarbonisierung hinterfragen, ohne die Energiesicherheit zu gefährden. Die Situation zeigt deutlich, wie schwierig es für ein großes industrielles Entwicklungsland ist, sich in Richtung Dekarbonisierung zu bewegen, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen und gleichzeitig die Strompreise für die Verbraucher niedrig zu halten sowie die Finanzstabilität der Stromerzeuger zu sichern", würden Jacob und Jegannathan zusammenfassen. (12.01.2021/ac/a/m)






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